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28.09.2019

Tage der Industriekultur am Wasser

Spannende Besichtigungsprogramme am 28. und 29. September auch im Landkreis Ludwigslust-Parchim und der Landeshauptstadt Schwerin

Tage der Industriekultur 2019
© Metropolregion Hamburg

Am 28. und 29. September lädt die Metropolregion Hamburg zum fünften Mal zu den „Tagen der Industriekultur am Wasser“. Hafenanlagen, Schleusen und Schiffe, Leucht- und Wassertürme, Brücken und Mühlen, Fabriken und Kraftwerke in der gesamten Metropolregion geben an diesem Wochenende Einblicke in die Welt der Industriekultur am Wasser. Auch in Schwerin und Umgebung präsentieren sich zahlreiche Orte der Industriegeschichte. Für alle Kultur-, Geschichts- und Technikinteressierten, genauso wie für Aktive und Familien ist etwas dabei. Führungen, Rundgänge, Mitmach-Aktionen, Besichtigungen und „Denkmale in Aktion“. Das Angebot ist so vielfältig wie die teilnehmenden Industrieanlagen. Das verbindende Element ist die Technik, die Wasser nutzt, Wasser beherrscht und am Wasser liegt. 

Das Wasserkraftwerk in Zülow östlich von Sternberg nutzt seit 1924 zur Stromproduktion das Gefälle der Mildenitzt von 22,5 Metern. Für das Kraftwerk wird das Wasser des Flusses auf 5,8 km über einen Kanal umgeleitet. Jährlich werden bis zu 2,5 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugt. Das sonst nicht zugängliche Werk ist das erste Mal bei dem Industriekulturfestival dabei und öffnet seine Tore.

Der Fluss Elde prägt die Stadt Lübz entscheidend. Die Wassermühle ist das erste Mal dabei. Sie liegt idyllisch in der Altstadt und arbeitete bis 1989 allein mit Wasserkraft. Wesentliche Teile der Technik blieben in dem heutigen Sparkassen-Gebäude erhalten. Am Samstag und Sonntag werden jeweils um 10:00 und um 14:00 Uhr Führungen durch die historische Mühle angeboten. Auch die Funktion und Geschichte der gleich nebenan liegenden Schleuse werden allen Interessierten erläutert. Durch den Wasserturm verfügt die Stadt seit 1914 über einwandfreies Trinkwasser. Damals nahm die Stadt neue Brunnen, ein 6.456 Meter langes Trinkwassernetz und den Wasserturm in Betrieb. Den 37 Meter hohen Wasserturm mit dem 150 Kubikmeter fassenden Hängebodenbehälter wurde 1978 stillgelegt. Heute können Besucher den Turm erklimmen und auf der Aussichtsplattform die Aussicht genießen.

Ganz in der Nähe, mitten im Naturschutzgebiet an der Elde-Müritz-Wasserstraße, liegt das Wasserkraftwerk Bobzin. Es profitiert von dem großen Gefälle der Elde an diesem Standort. Das Museum für regionale Elektrizitätsversorgung bietet Führungen zur Entwicklung der Elektrizitätsversorgung in Mecklenburg an. Am 28. September wird ein Sommerfest mit Trödelmarkt gefeiert, bei dem ab 19:00 Uhr auch das Tanzbein geschwungen werde kann. Die benachbarte Schleuse gilt als die tiefste in Mecklenburg. Die 1916 erbaute Hubbrücke in Plau am See ist mit ihrer Hubhöhe von 1,86 m die höchste Hubbrücke Mecklenburgs. Führungen mit der Hebung der Brücke finden am Wochenende jeweils um 10:00 und 14:00 Uhr statt.

Im Amt Neuhaus, Landkreis Lüneburg, ist die Eisenbahnbrücke Preten dabei. Bei den geführten Wanderungen zur Eisenbahnbrücke sowie Radtouren entlang der Kleinbahnstrecke lässt sich die für die Metropolregion oft typische Kombination aus Industrie und Landschaft genießen. Die Eisenbahnbrücke war das größte Bauwerk der 1912 in Betrieb genommenen Kleinbahn Brahlstorf – Neuhaus, deren Verkehr nach 60 Jahren eingestellt wurde. Aber viele Bauten blieben entlang der 10,67 Kilometer langen Strecke erhalten. Auch die Brücke in Preten: Mit drei großen Stahlfachwerkträgern quert sie die Sude. Informationen zur Eisenbahnbrücke über die Sude in Preten gibt es auch direkt im nebenanliegenden Café „Schwarzes Schaf“.

Ein Dauerbrenner sind die beliebten Fahrradtouren in Teldau mit einem Experten zum Hochwasserschutz der Region. Jeweils um 10:00 Uhr werden entlang der Elbe und Sude Schöpfwerke und Deichsiele erradelt.

Binnenfrachtschiff wie die »Minna« in Boizenburg waren auf der Oberelbe einst alltäglich. Heute sind sie fast verschwunden. Das Binnenfrachtschiff kann am 29. September besichtigt werden und um 11.00 und 15:00 Uhr werden auf großer Leinwand im Schiffsbauch Filme rund um das 100jährige Binnenfrachtschiff gezeigt.

In Neu Kaliß sind die ehemalige Papierfabrik und deren Gelände für Besucher geöffnet. Schnell wurde Die Fabrik von 1873 ein bedeutendes Unternehmen. Spannende Geschichten werden bei den geführten Rundgängen über das Gelände der Fabrik und der alten Halle, am 28. und 29. September, jeweils um 14:00 Uhr, zu hören sein. War das Qualitätspapier aus Kaliß doch so gefragt, dass es sogar nach Dänemark, Schweden, Großbritannien und in die USA exportiert wurde.

Auch im Regionalmuseum Hans Joachim Bötefür steht vor allem die traditionsreiche Papierherstellung des Dorfes bei den Tagen der Industriekultur im Fokus. Stündlich werden Führungen zu diesem Teil der Industriegeschichte angeboten. In der Dauerausstellung ist neben der Geologie des Wanzebergs natürlich auch der Bergbau ein Thema.

Diesen können Sie in Malliß bei Ludwigslust hautnah erleben. Sie tauchen ab in den „Marien Stollen“, in dem Braunkohle abgebaut wurde. Braunkohlebergbau hat es in der Region seit 1817 gegeben. In dem ca. 120 Hektar großen Grubenfeld wurde das Schwarze Gold bis 1960 gefördert. Geführte Wanderungen zur Salzquelle mit Schau-Gradierwerk, entlang der Stichkanäle und zum rekonstruierten Mundloch des „Marien Stollens“ werden angeboten. Zum restaurierten Mundloch des Stollens »Conow I« gibt es neben einem Vortrag auch eine Ausstellung zu sehen.

Neu in Schwerin dabei ist das Alte Wasserwerk Neumühle. Am Neumühler See ging dort 1890 das erste Wasserwerk in Betrieb. Die stillgelegte Anlage dient inzwischen Künstlern für Veranstaltungen und als Atelier. Hier lockt ein buntes Programm aus Führungen, Ausstellungen und einem Konzert des Berliner Jazz-Quartetts „Die Therapie“.

In Schwerin siedelte sich erst 1913 mit dem Fokker Flugzeugbau die erste aktiv betriebene Industrieansiedlung an. Dennoch verfügt die Stadt über ein reiches industriekulturelles Erbe, das am 28. September um 13.00 Uhr bei einem Stadtrundgang zur Industriekultur erkundet werden kann.

Hinter dem Schweriner Schloss befindet sich seit 1897 eine Drehbrücke mit einer Durchfahrtsbreite von 8,60 Meter. So konnten die Schiffe die Passage zum Umschlagsplatz am Burgsee passieren. Bei geschlossener Brücke gelangen dort Fußgänger von der einstigen Residenz der Großherzöge von Mecklenburg-Schwerin in den Schlosspark. Die Brücke bewegt ein Wärter per Hand mit einer Kurbel: Zum Drehen wird der Brückenträger aus seinen Ruhelagern gehoben und auf dem zentralen Lager – dem Königsstuhl – bewegt. Jeweils um 15:00 Uhr öffnet der Wärter die Brücke an diesem Wochenende.

In der Nähe des Schlossgartens befindet sich die Schleifmühle. Die Wassermühle aus dem 18. Jahrhundert am Faulen See zählt zu den wenigen historischen Anlagen, in denen große Natursteine gesägt und geschliffen wurden. In den Jahren 1845 bis 1857 leistete die Mühle Arbeit zum Umbau des Schweriner Schlosses. 1862 wurde eine Wollspinnerei eingerichtet, wegen Baufälligkeit des Gebäudes ruht die Produktion seit 1904. In den folgenden Jahren diente das Gebäude als Lager, Wohnung und Trafostation. In der inzwischen wieder rekonstruierten Schleifmühle befindet sich heute ein Museum und an den Tagen der Industriekultur ist die Schauanlage zur Verarbeitung von Granit in Betrieb.

Die „Tage der Industriekultur am Wasser“ werden alle zwei Jahre von der Metropolregion Hamburg organisiert. Die Hamburg Marketing GmbH unterstützt das Projekt. Die Metropolregion Hamburg ist Mitglied im Europäischen Netzwerk der Industriekulturrouten ERIH (European Route of Industrial Heritage). Das ausführliche Programm zu allen 122 Anlagen und Museen der Industriegeschichte in der Metropolregion Hamburg liegt in allen teilnehmenden Denkmalen und Museen und in den Tourismusinformationen der Metropolregion aus. Weitere Informationen zur Industriegeschichte sind verfügbar unter: www.tagederindustrikultur.de